VIP-Tickets mit Pilsken und Stimberg-Klops für 19,16 Euro für eine virtuelle Stadtmeisterschaft – eine Aktion der Oer-Erkenschwicker Vereine soll die Solidarität stärken.
Den Profiklubs drohen in den nächsten Monaten Geisterspiele in leeren Stadien. Den Amateuren, die viel stärker mit Zuschauereinnahmen ihre Saison bestreiten, nutzen solche Spiele wegen fehlender Fernsehgelder nichts. „Die Kosten laufen für alle weiter, nur Einnahmen hat man jetzt eben keine mehr“, sagt Andre Oberlin, Vorsitzender der Schwarz-Roten Ruhrpottmonster.
Geistertickets statt Geisterspiele
Die Idee: Statt Geisterspiele will man Fans und Zuschauern Geistertickets anbieten für ein Turnier aller Klubs der Stadt. Andre Oberlin: „Wir spielen quasi eine Solidaritäts-Stadtmeisterschaft unter allen fünf Vereinen der Stadt aus – virtuell natürlich. Wir verkaufen virtuelle Tages-Tickets, vielleicht noch ein virtuelles Pils und einen Stimberg-Klops. Alle können Eintrittskarten erwerben und unterstützen so unsere Amateurvereine am Stimberg. Jeder Verein profitiert dabei am Ende zu gleichen Teilen.“
Der Gedanke ist nicht ganz neu. Regionalligisten wie RW Oberhausen, RW Essen oder Kickers Offenbach haben durch den Verkauf von Geistertickets bereits gute Erlöse erzielt. „Wir sind aber die ersten, die die Aktion auf eine ganze Stadt ausweiten und alle Vereine mit ins Boot holen“, sagt Oberlin.
Bei den anderen Klubs, das sind Rot-Weiß, Grün-Weiß, FC 26 und SV Titania Erkenschwick, rannten Oberlin und seine Mitstreiter offene Türen ein. „Das ist eine tolle Sache, die wir natürlich unterstützen. Das schweißt alle Vereine zusammen. Das ist gelebte Solidarität“, sagt beispielsweise Andreas Jakob, Vorsitzender von Rot-Weiß Erkenschwick.
Oberlin hatte mit führenden Personen der Spvgg. – darunter Vereinspräsident Olaf May – und den „Monstern“ eine Arbeitsgruppe gegründet. „Da haben wir die Sache eingestielt. Danach haben wir eine Präsidenten-Gruppe gebildet, zu der alle Vereinsvorsitzenden und auch unser Bürgermeister Carsten Wewers gehören. Am Wochenende wollen wir an den Start gehen und hoffen, dass die Aktiven und Funktionäre in den Vereinen mit gutem Beispiel vorangehen und in ihren Klubs Werbung machen.“
Die Ruhrpottmonster selbst machen es vor, haben bereits 20 VIP-Tickets geordert. In den sozialen Netzwerken und in der Presse wolle man die Aktion weiter bewerben. „Da ist natürlich auch viel Symbolik im Spiel. Es geht um Solidarität untereinander. Wir wollen zeigen, dass wir alle den Fußball in unserer Stadt unterstützen und dass wir, wenn es darauf ankommt, bei aller Rivalität an einem Strang ziehen“, sagt Oberlin.
Tickets von 5,70 bis 19,16 Euro
Die Karten, um deren Gestaltung sich die Marketing-Abteilung der Spvgg. um Tobias Rawers besonders verdient gemacht hat, gibt es in drei Preiskategorien und in den Farben aller Vereine. Rot sind die Tickets der Spvgg. und von RWE. Dazu gibt es die Geistertickets noch in den Farben schwarz (FC 26), grün (GWE) und blau (SV Titania).
Bei der Preisgestaltung hat man die Gründungsjahre der Vereine berücksichtigt. Die einfache Stehplatzkarte kostet demnach 5,70 Euro (RWE wurde 1970 gegründet), die Sitztribüne bekommt man für 9,26 Euro (1926 ist das Gründungsjahr von SV Titania, GWE und FC). Für das VIP-Ticket inklusive Pils und Stimberg-Klops werden 19,16 Euro fällig. „Das Geld für Klops und Pils würden wir rausrechnen und einer karitativen Einrichtung spenden“, sagt Oberlin.
Einmalig in der Erkenschwicker Fußball-Geschichte
Ganz wichtig: Egal, für welche Preiskategorie man sich entscheidet, man unterstützt alle fünf Vereine in gleicher Weise. Das Geld werde auf ein Paypal-Konto eingezahlt.
„Es ist eine einmalige Sache in der Fußballgeschichte unserer Stadt und ich hoffe, dass viele Menschen mitmachen. Und es braucht mir jetzt auch keiner von den Fans zu kommen, dass er sich das nicht leisten könne. In den Zeiten, wo der Fußball nicht virtuell, sondern auf dem Feld stattfand, hatten auch alle Geld dafür“, meint Oberlin.
Zumindest wäre diese virtuell ausgetragene Stadtmeisterschaft die erste, bei der der Sieger schon vorher feststeht. „Wobei wir uns schon überlegt haben, dass wir tatsächlich einen Sieger ermitteln könnten, wenn die ganze Sache überstanden ist. Irgendwo in einem Vereinsheim könnten alle fünf Vorsitzenden den Stadtmeister ausknobeln.“ Natürlich bei einem echten Pilsken…
von Olaf Nehls / Medienhaus Bauer
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Info: Tickets für die virtuelle Stadtmeisterschaft gibt es ab Samstag, 12 Uhr. Nutzer eines Paypal-Kontos können Geld für ihr Ticket an die E-Mail-Adresse 1916marketing@gmail. com überweisen. Wer kein Paypal-Konto hat, wendet sich an A. Oberlin unter 0172 560 84 83. |
